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Albrecht Dürers "Betende Hände" und ihre trivialisierte Rezeption

Untersuchung zur Darstellung von Dürers eigener Hand und die Popularität des Motivs im 20. Jahrhundert
Verfasser: Suche nach diesem Verfasser Wimmer, Karin
Medienkennzeichen: Allgemein
Jahr: 1999
Verlag: Innsbruck, Universität
Mediengruppe: Künstlermonografie
nicht verfügbar

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Vorbestellen Signatur: K.S.A-43570 Standort 2: Status: Beim Buchbinder Mediengruppe: Künstlermonografie Ausleihhinweis: Vorbestellungen: 0

Inhalt

Die Dissertation behandelt zwei Themenschwerpunkte. Sie setzt sich im ersten Teil mit Albrecht Duerers Original der "Betenden Haende" auseinander. Im zweiten Teil wird die Rezeption dieser Zeichnung und die Popularitaet des Motivs behandelt. Der erste Teil beweist, daß es sich bei den "Betenden Haenden" um eine Darstellung von Duerers eigenen Haenden handelt. Die ersten beiden Kapitel beleuchten den urspruenglichen Kontext dieser Pinselzeichnung aus dem Jahr 1508, auf der ein zum Gebet gefaltetes Haendepaar dargestellt ist. Es sind dies Duerers eigene Haende, die er mit Hilfe von zwei ebenen Spiegeln detailgetreu abzeichnete. In der Beweisfuehrung ist das Aussehen von Duerers Haenden und die Verfuegbarkeit solcher Spiegel ebenso entscheidend wie die Arbeitsweise des Meisters. Oberflaechlich betrachtet ist das Motiv betender Haende haeufiger Bestandteil religioeser Kunstwerke, jedoch in jeweils unterschiedlichen Formen und Bedeutungen. Duerer hat mit seiner Interpretation einen Archetypus geschaffen, der trotz der vielen Darstellungen dieser Gebetshaltung eindeutig und unverkennbar ist. Er hat seinen "Betenden Haenden" eine ganz besondere Aura und Ausstrahlung verliehen. Durch weiß gehoehte Lichter und blau-dunstigen Bildhintergrund scheinen sie isoliert in der "Luft" zu schweben. In der Arbeit wird daneben die Bedeutung der Kuenstlerhand und der Stellenwert der Haende in Duerers Selbstbildnissen herausgearbeitet. Duerers besondere raeumliche Gestaltung seiner "Betenden Haende" in der zweidimensionalen Darstellung hat die spaetere Transformation in die Dreidimensionalitaet, etwa ins Relief, erleichtert und nahegelegt. Die Uebersetzung in andere Bildmedien und Materialien hat das Duerer'sche (Vor-) Bild dabei nicht nur deformiert, sondern auch derart trivialisiert, daß Duerers urspruengliche Bildidee nur noch rudimentaer vorhanden ist. Es ist jedoch bezeichnend, daß selbst in der
extremsten Verkitschung sein Archetypus eindeutig erkennbar bleibt. Die diagonale Haltung und die Untersicht auf das isolierte Haendepaar mit seinem abgespreizten kleinen Finger der linken Hand sind so kennzeichnend, daß sie gerade bei der trivialisierten Rezeption eine unverzichtbare und bedeutende Rolle spielen. Sie erfahren sogar in fast allen Faellen eine weitere Ueberbetonung und ermoeglichen insbesondere dadurch die leichte Identifizierung des Urbildes. Die beiden letzten Kapitel setzen sich mit der Rezeptionsgeschichte dieser Duererzeichnung auseinander und erklaeren, wie es zu der ausgesprochenen Trivialisierung dieses Motivs und gleichzeitig zum Inbegriff des Kitsches kommen konnte. Dazu gehoeren auch die Einblicke in die kulturhistorische Bedeutung der Hand mit ihrer Funktion und Gestalt, die, neben anderen Faktoren, in besonderer Weise wesentlichen Anteil an der menschlichen Evolution hatte. Bis heute ist die Hand ein wertvolles Werkzeug des Menschen und spielt seit jeher eine bedeutende Rolle in der Gestik und Kommunikation, damit in der Kultur. Das im Laufe des 20. Jahrhunderts besonders als Relieftaefelchen populaer gewordene Motiv des gefalteten Haendepaars wurde zum bildlichen Synonym des Betens. In den Fuenfziger Jahren, der Zeit der großen Veraenderungen und des beginnenden Wiederaufbaus, begannen die Relieftaefelchen "Betender Haende" ihren Siegeszug in die deutschen Haushalte. Die "Betenden Haende" vereinen unterschiedliche Betrachtungsweisen und gelten als neutrales und adaptiertes Symbol gelebter Froemmigkeit. Die Industrie der Devotionalienproduktion stellt bis heute unzaehlige und unsaegliche diesbezuegliche Kitschartikel her. In fast allen Abhandlungen und Ausstellungen zum Thema "Kitsch" werden die "Betenden Haende" als Inbegriff desselben und der Geschmacklosigkeit zitiert; eine fast logische Folge der inflationaeren Verfremdung und Verbreitung. Bis heute
hat das Motiv, das neben dem "Feldhasen" als das populaerste Duererwerk gilt, nicht an Aktualitaet verloren. Fuer Europa sind "Betende Haende" als Drucke und Relieftaefelchen verbindlich geworden, in den USA hingegen dominiert die Vollplastik

Details

Verfasser: Suche nach diesem Verfasser Wimmer, Karin
Verfasserangabe: vorgelegt von Karin Wimmer
Medienkennzeichen: Allgemein
Jahr: 1999
Verlag: Innsbruck, Universität
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Beschreibung: 222 Bl. : zahlr. Ill.
Schlagwörter: Dürer, Albrecht, Geschichte 1900-1999, Rezeption, Aneignung <Rezeption>, Fortwirken, Nachleben, Nachwirkung <Rezeption>, Wirkungsgeschichte
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Sprache: Deutsch
Fußnote: Innsbruck, Univ., Diss., 1999
Mediengruppe: Künstlermonografie