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Albertina Bibliothek
Albertinaplatz 1
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The History of the Collection: historical book holdings of the Albertina Library

(copied from: Victoria Lunzer: Bibliothek der Graphischen Sammlung Albertina, in:

Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich, S. 82-85, Stand 1993)

 

 

„1.1 Die Graphische Sammlung Albertina verdankt ihren Weltruhm den Kunstsammlungen Herzog Alberts von Sachsen-Teschen (1738-1822), in dessen klassizistischem Palais sie noch heute untergebracht ist. Das Gebäude wurde von den Architekten Louis de Montoyer und Josef Kornhäusel entworfen. Kornhäusel schuf den als Lesesaal dienenden, ca. 170 Quadratmeter großen Studiensaal und ließ ihn mit Statuen von Josef Klieber ausstatten. Der planmässig und im breiten Stil betriebene Aufbau der herzoglichen Kunstsammlungen umfasste Zeichnungen, Druckgraphiken, Miniaturen, Münzen und Medaillen sowie eine kunsthistorische Handbibliothek zur Unterstützung und Information bei der Sammeltätigkeit. Diese Sammlung war als eine der ersten nicht auf die Anhäufung anerkannter Einzelkunstwerke, sondern auf eine umfassende Dokumentation zur Geschichte der Graphik ausgerichtet. Während des 19. Jhs setzten die Erben – mit wechselnder Intensität und unterschiedlichen Akzenten – die Sammeltätigkeit fort. Nach der Aufhebung der Monarchie wurde die Kunstsammlung verstaatlicht, die Bibliothek hingegen ( wie auch die umfangreiche Sammlung an Münzen und Miniaturen) verblieb dem bisherigen Eigentümer, Erzherzog Friedrich. So wurde die eigentliche Albertina-Bibliothek von der Institution dieses Namens getrennt und in der Folge zerstreut, einzig ihr handschriftlich geführter Katalog ist noch vorhanden.

 

1.2 Im Zuge der weitgehenden Neuordnung der Österreichischen Museumslandschaft nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Kupferstichsammlung der ehemaligen Hofbibliothek, heute Österreichische Nationalbibliothek, mit der Graphischen Sammlung Albertina vereinigt. Deren Buchbestände wurden damals teils der Kunstsammlung (Stichwerke, „Galerie-Werke und Kupferbücher mit und ohne Text“), teils der neu eingerichteten Handbibliothek (Tafelwerke, Sekundärliteratur) einverleibt. Ansichtenwerke, Landkarten und Vues aus dem Bestand der Albertina wurden hingegen der Kartensammlung der Nationalbibliothek zugewiesen. Zugleich erfolgte die Vereinbarung, Literatur zur Kunst aus dem Besitz der Nationalbibliothek in den Räumen der Albertina aufzustellen, wo sie beiden Institutionen zur Verfügung steht. Die in den Katalogen der Nationalbibliothek durch den Signaturenzusatz „Ks“ gekennzeichneten Werke können seither sowohl für den Studiensaal der Albertina als auch für den Augustinerlesesaal der Nationalbibliothek bestellt werden. Obwohl im Besitz der Nationalbibliothek, bildet dieser Bestand für die Albertina eine erweiterte Handbibliothek und ergänzende Büchersammlung.

 

1.3 Den Zweiten Weltkrieg überstand die Sammlung ohne nennenswerte Verluste. In den fünfziger Jahren nahm Direktor Otto Benesch erneut eine Reorganisation der Bestände vor, in deren Folge die Kollektion der Künstler-Bücher und die eigentliche Bibliothek nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen sind. In die Cimeliensammlung wurden neben wertvollen Büchern und Stichwerken – die heute zur Kunstsammlung gezählt werden, auch einige Handschriften und Skizzenbücher eingegliedert. Aus den in der Zwischenkriegszeit an die Albertina abgetretenen Werken, aus dem Konvolut der „Illustrierten Bücher“ und aus topographischen Kunstblättern stellte Benesch eine neue, ca. 300 Druckwerke umfassende „Vues-Sammlung“ zusammen. Eine „Sammlung Historische Blätter“ wurde hinzugefügt. Beide sind der Kunstsammlung zugeordnet.

 

1.4 Zur Zeit wächst die Bibliothek um ca. 1000 Bände pro Jahr. Der Ankauf betrifft in erster Linie Neuerscheinungen und Periodika (ca.370 Zeitschriften und Jahrbücher) für den Bedarf der kunstwissenschaftlichen und restauratorischen Abteilungen der Albertina. Aber auch das historische Buchgut wird weiter ergänzt. Hinzu kommen Belegexemplare aller aus Beständen der Albertina von Museen, Kunstverlagen, für Ausstellungen u. a. edierten Publikationen.

 

 

2. Bestandsbeschreibung

 

2.1 Die im folgenden angeführten Zahlen beruhen auf der Auszählung der Cimelien am Regal, der restliche Bestand wurde nach Hochrechnungen aus Teilzählungen an den Zettelkatalogen ermittelt, wobei vereinzelte Mehrfachzählungen bei den Angaben zur Systematischen Übersicht nicht gänzlich ausgeschlossen werden konnten. Unter „Mappen und Stichwerke“ sind gebundene Stichfolgen (mit und ohne erklärendem Anhang) zu verstehen. „Galeriewerke“ – hier den Mappenwerken zugezählt – sind künstlerische Reproduktionsgraphikfolgen. Photographisch hergestellte Abbildungsbände werden wie alle anderen Bildbände als Tafelbände bezeichnet. „Illustrierte Bücher“ unterscheiden sich von „Originalbüchern“ durch den Vorrang des Textes vor den Abbildungen. Unter „Oeuvrekatalogen“ werden auch Teilausgaben des Werkes eines Künstlers subsumiert, „Lexika“ bzw. „Handbücher“ schliessen Porträtverzeichnisse ein.

 

Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

 

2.2 Die Albertina-Bibliothek verfügt heute – einschliesslich der im Besitz der Österreichischen Nationalbilbiothek befindlichen, jedoch in der Albertina aufgestellten Bestände – über ca. 43000 Titel in etwa 87000 Bänden. Davon gehören etwa 25000 Titel (55000 Bände) zum Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek, von dem rund 2500 Titel (10%) bis 1900 erschienen (s. u. 2.11). Von den etwa 18000 Titeln (35000 Bände) der eigentlichen Albertina-Bibliothek sind 1080 (6 %) historisches Buchgut. Weiters ist auf die als Corpus separata ausserhalb der Bibliothek, im Bereich der Kunstsammlung aufbewahrten Bestände hinzuweisen (s. o. 1.3).

 

2.3 Anstelle eines über lange Zeiträume gewachsenen Buchbestandes repräsentieren die 305 Titel der Cimeliensammlung die ältesten und wertvollsten Werke der Albertina. Diese besteht aus 18 Inkunabeln, 193 Titeln des 16. Jhs, 60 des 17. Jhs, 30 Werken des 18. Jhs und 4 des 19. Jhs. Hinzu kommen aus den Albertina-eigenen Beständen an Mappenwerken, Pracht- und Tafelbänden 950 Titel (88 %) aus dem 19. Jh, 13 Titel aus dem 18. Jh, 97 Titel (9 %) aus dem 17. Jh und 19 aus dem 16. Jh. Von den Werken im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek (2500 bis 1900) entfallen mit 2468 Titeln mehr als 98% auf das 19. Jh, 32 Werke verteilen sich auf das 16. bis 18. Jh.

 

2.4 Im Hinblick auf die für die Bibliothek charakteristischen Kunstbände und textlosen Stichfolgen musste für die folgende Übersicht nach Sprachen die präzisere Verteilung nach Erscheinungsorten herangezogen werden. 157 Werke der Cimeliensammlung wurden im deutschen Sprachraum produziert (die überwiegende Anzahl in Nürnberg, Frankfurt, Augsburg und Basel). Nur 38 Titel erschienen in Italien, 35 in den Niederlanden, 24 in Frankreich, 2 in England und einer in Polen. Auch der übrige Albertina-Bestand ist von Drucken in deutscher Sprache (483) geprägt, gefolgt von 324 Titeln in französischer und 136 in italienischer Sprache. Gering ist der Anteil des Englischen mit 96, des Lateinischen mit 27, des Spanischen mit 10 und der slawischen Sprachen mit 4 Titeln. Etwas ausgewogener ist die Verteilung bei den Werken der Österreichischen Nationalbibliothek. 1198 (ca. 48 %) liegen in deutscher Sprache vor, 800 in Französisch, 223 in Englisch, 197 in Italienisch. Das Spanische, das Niederländische/Belgische, das Lateinische und die slawischen Sprachen nehmen insgesamt nicht mehr als 3 Prozent des Bestandes ein.

 

Systematische Übersicht

Bestand der Albertina

 

2.5 Die 305 Werke der Cimeliensammlung weisen einen Schwerpunkt in der deutschen Kunst- und Buchproduktion des 16. Jhs auf. Mit Glaubensfragen, aktuellen Ereignissen und der Rezeption der Antike dominieren auch inhaltlich die für diese Zeit, insbesondere die erste Jahrhunderthälfte, spezifischen Themenbereiche. Bei den 77 Titeln zur Geschichte handelt es sich vorwiegend um Herrscherporträts, Genealogien, Chroniken und Schlachtendarstellungen. Auch zahlreiche Beschreibungen festlicher Einzüge in Städte (besonders des niederländischen Raumes) sowie feierlicher Aufbahrungen von Habsburgern und verwandter Fürstenpersönlichkeiten sind zu finden. Von den im Kreis der Künstler um Kaiser Maximilian I. (Leonhard Beck, Hans Burkmair, Albercht Dürer und Hans Schäufelein) entstandenen illusterierten Werken besitzt die Bibliothek wertwolle Mehrfachexemplare, so von den Holzschnittfolgen des Theuerdank (1510-1517), des Wißkunig (1512-1518), des Triumphzuges Maximilians (1512-1519) und über Die Heiligen aus der Sipp-, Mag- und Schwägerschaft des Kaisers Maximilian I. (1516-1518). Die Albertina bewahrt originale Holzstöcke dieser Holzschnittfolgen. Auch die im 18. Jh gedruckten Ausgaben der Werke liegen in mehreren Exemplaren vor.

 

2.6 Unter den 22 „Figurenbüchern“ (dekorative Darstellungen zeitgenössischer Szenen und Personen) ist Jost Ammans Artliche und Kunstreiche Figuren zu der Reutterey (Frankfurt: Feyerabend 1584) hervorzuheben. Die 48 Titel zählende Gruppe der Bücher religiösen Inhalts enthält u. a. Ulrich Pinders Speculum passionis domini nostri Jhesu Christi (Nürnberg 1507), illustriert von Hans Schäufelein, sowie zwei, undatierte Blockbücher (eine niederländische Biblia pauperum und ein im Rot-schwarz-Druck gestaltetes Missale romanum). Unter den jüngeren Werken zu religiösen und mystischen Themen ist die illuminierte Erstausgabe von William Blakes The first book of Urizen (1794).

 

2.7 Der Antike sind 34 Titel gewidmet, die Vergil-Ausgabe Publii Vergilii maronis opera (Augsburg 1502) ist unter den ältesten. Bei den Reiseberichten und Topographica (24 Titel) handelt es sich um bemerkenswerte Drucke, jedoch nicht um Erstausgaben. So ist Sigismund Herberseins Rerum moscovitarum commentarii nicht in der ersten Edition von 1549, sondern in einer deutschen (Wien 1557) und einer lateinischen Ausgabe (Basel 1571) vorhanden. Die meisten der topographischen Werke befinden sich jedoch in der ca. 300 Drucke umfassenden „Vues-Sammlung“ ausserhalb der Bibliothek (s.o. 1.3).

 

2.8 Spätmittelalterliche und neuzeitliche Literatur sowie Philosophie sind mit 22 z. T. sehr alten Ausgaben vertreten, u. a. Dantes Divina Commedia ( Florenz: Nicolaus Laurentius 1481) und Sebastian Brants Stultifera Navis (Basel: Johannes Bergmann de Olpe 1497). 15 Lehrbücher und didaktische Schauwerke dokumentieren unterschiedliche Bereiche, z. B. das Jagdwesen und die Fechtkunst, je 10 Titel entfallen auf naturwissenschaftliche Themen (z. B. Julius Firmicus‘ Astronomi veteres, Venedig: Aldus Manutius 1499) und auf architektonische Lehr- und Schauwerke einschliesslich der Gartenkunst. Die ästhetischen und kunsttheoretischen Werke sind mit 7 Titeln zwar nicht zahlreich, jedoch von Bedeutung. So gibt es einen Erstdruck von Dürers Underweysungen der Messung mit dem Cirkel (Nürnberg 1525), im Adligat mit Etliche underricht zu befestigung (Nürnberg 1527). Bei den restlichen Titeln handelt es sich um 5 Ornamentwerke und 4 Reproduktionswerke einzelner Künstler.

 

2.9 Von den Albertina-eigenen Beständen ausserhalb der Cimeliensammlung kann etwa die Hälfte im weitesten Sinn als Abbildungswerke bezeichnet werden. Davon sind 224 Titel (ca. 29 Prozent) Mappen-, Stich-, Porträt- und Galeriewerke. Mit 144 Titeln stellen die Tafelwerke die zweite größere Gruppe, deren Schwerpunkt bei den Kunstreproduktionen aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs liegt. Sodann sind 50 topographische Ansichtenwerke (darunter Antonio Basolis Raccolta di Prospettive, serie rustiche e di paesaggio, 1830) und 8 Monographien zu nennen. Den ansehnlichsten Bestand an 126 illustrierten Büchern ergänzen 26 als Bild-Bücher konzipierte Originalwerke. 31 Titel des 19. Jhs dokumentieren die Photographie.

 

2.10 Einen relativ geringen Anteil (13 Titel) nimmt die Fachliteratur zu den verschiedenen graphischen Künsten ein. Die allgemeine Kunstgeschichte ist mit 32 Werken vertreten, ihr schliessen sich 8 Titel zur Kunsttheorie an (u. a. mehrere Exemplare von Johann Bernhard Fischer von Erlachs Entwurf einer historischen Architektur, 1721). Der Bestand an hilfswissenschaftlicher Literatur und biobibliographischen Nachschlagewerken setzt sich aus 28 Handbüchern und Künstlerlexika, 52 Sammlungskatalogen und Führern, 8 historischen Werken und 21 Auktionskatalogen zusammen (darunter Adam Bartschs Catalogue raisonné des dessins originaux des plus grands maîtres qui faisoient partie du Cabinet de feu le Prince Charles de Ligne, Wien 1794). Auch dem mit Ende des 19. Jhs einsetzenden Ausstellungsbetrieb wurde mit 7 Ausstellungskatalogen Rechnung getragen.

 

Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek an der Albertina

 

2.11 Im Gegensatz zu dem in erster Linie auf den Aufgabenkreis des Museums ausgerichteten Buchgut im Besitz der Albertina machen die Abbildungswerke (625 Titel) im Bestand der Nationalbibliothek nur rund 25 Prozent aus. Mappen-, Stich-, Porträt- und Galeriewerke – wie das Verzeichnis von sechstausend Portraits von Ärzten, Naturforschern, Mathematikern (1863) des Leipziger Buchdruckers und Kunsthändlers Wilhelm Drugulin – ergeben 48 Titel. 237 Titel entfallen auf Tafelwerke, 125 auf topographische Ansichtenwerke und 162 aus Monographien und Oeuvrekataloge (z. B. Albrecht Dürers Les bains de Femmes. Avec cinq gravures hors texte par Charles Ephrussi, Paris 1868). Mit 50 Beispielen ist der Bestand an illustrierten Büchern gering, diese sind offensichtlich in der Nationalbibliothek belassen worden. Hinzu kommen 13 als Bild-Bücher konzipierte „Originalwerke“, der Bestand zur Photographie bleibt mit 3 Titeln unter Geringfügigkeitsgrenze.

 

2.12 Zu den graphischen Künsten gibt es 212 Titel, während die Literatur zur allgemeinen Kunstgeschichte mit 500 Werken (20 Prozent, z. B. Johann-Gabriel Doppelmayrs Historische Nachricht von den nürnbergergischen Mathematicis und Künstlern, 1730) mehr als doppelt so viel Raum einnimmt. 150 Titel sind den theoretischen Werken zugeordnet. Gut vertreten sind Handbücher und Künstlerlexika (250), Sammlungskataloge und Führer (535) sowie Auktionskataloge (187). Zur Geschichte sind jedoch nur 3 Titel vorhanden. Neben den aktuellen Kunstzeitschriften finden sich auch historische Periodika, wie Christoph Murrs Journal zur Kunstgeschichte (1775-1784) und Johann Georg Meusels Museum (1787 ff.). Zudem gibt es ca. 25 Ausstellungskataloge.“